Nur zugeschaut: Bretagne und die merkwürdige Perspektive einer Zuschauerin

Bretagne
Bretagne im Endverlauf der Partie

Bretagne im Endverlauf der Partie

BoardgameGeek Beschreibung


Bei Hiespielchen habe ich mir die letzten Runden des Brettspiels „Bretagne“ angeschaut. Zuvor hatte ich „Auf den Spuren von Marco Polo“ gespielt. Auch nicht gerade kurzweilig.

Diese erste Partie „Bretagne“ dauerte für die 3 Spieler gut 4 Stunden. Eigentlich für die erste Partie eines komplexen Spiels nicht ungewöhnlich, weil ja das Erklären und Nachlesen den Spielfluß immer wieder unterbrechen. Aber es ist schon eine Herausforderung.

Bretagne ist ein Wirtschaftsspiel mit Workerplacementmechanismus, ein Spieltyp, der vermutlich von einigen Brettspielern als dröge empfunden wird, wenn nicht gerade eine große Leidenschaft für derartige Spiele vorhanden ist.

Ich selbst besitze diese Ausdauer, aber es gibt ja auch bei Brettspieler eine Tagesform. Wenn man einfach nur mal die Partie eines komplexen Spiels spielen möchte, ist Bretagne nicht der richtige Kandidat, vor allen Dingen nicht, wenn es für alle Beteiligten zum ersten Male auf dem Tisch liegt.

Ich hatte es bereits auf der Messe Spiel15 gesehen, eine stilisierte Karte. Etwas Grünes. Als Augenmensch hatte es mich nicht so sehr angesprochen. Na ja, eine Landkarte. Nun sah ich Bretagne im Schlußverlauf mit all dem Material.

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Bretagne im Endverlauf der Partie

 

Plötzlich hatte ich einen anderen Blick. Meine Neugierde war geweckt und ich fand es plötzlich interessant, wie der Spielablauf in den Spielplan integriert worden ist, wie das Material der Landschaft Struktur gegeben hat.

Ich habe schon häufiger festgestellt, dass ich einen anderen Zugang zu Brettspielen habe als andere Brettspieler. Brettspiele sind für mich mehr als nur Punktegenerierungsmaschinen.

Brettspiele haben etwas Ganzheitliches, sprechen viele Sinne an.

Cover, Spielbrett, Anleitung, Erläuterung, Geschichte, Material, Inlet, Mitspieler, Erklärbär, schlüssiger Mechanismus, Thema …

Letztendlich müssen Ablauf und Mechanismen stimmig sein, um Spielfreude zu haben, nicht zu schnell in Sackgassen führen.

Grafik und Design haben Funktionen, die über bloße Optik hinausgehen. Sie müssen die Funktionalität des Spiels stützen, gerade bei komplexen Spielen. Das Thema verfolgen, aber nicht verwirren.

Verwirrend war, laut Spieler, die nicht stringente Abfolge und Reihenwechsel der Punktezählleiste. Eine fatale Fehlerquelle, die zu Diskussionen führen kann. Belanglos? Man weiß es ja?

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Bretagne Zählleiste mit Problemen

Das Ziel ist Punktemachen. Die Punkteleiste wird häufig nebenbei benutzt. Gepunktet Ziehen fertig. Ein Brettspieler will vorwärts und nicht rückabwickeln.

Begeistert erschienen mir die 3 Spieler nicht. Aber ich glaube, dass dies eher am zeitlichen Rahmen lag, persönlichen Bedürfnissen und Planungen an diesem Abend. Erwartungshaltungen und thematische Interessen beeinflussen die Einschätzung sehr stark. Deshalb sollte man Spielen auch eine zweite Chance geben.

Jedenfalls bin ich neugierig geworden-trotz fehlgeplanter Zählleiste, trotz Ersteindruck von der Landkarte. Leuchtturmbau.


 

Zur Zeit ist „Bretagne“ für mich ein „Landschaftsspiel“ mit Wirtschaftsthema, würfelförmigen Arbeitern und Scheiben als Ressourcenmarker. Bei zahlreichen Spielen ist es genau umgedreht. Vielleicht ergibt sich ja mal eine Chance auf ein Spiel, um Ablauf und Mechanismus genau kennenzulernen.

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Bretagne, Marco Pozzi, 2-4 Spieler, 90-120 Minuten, ab 12

 

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