Geist sucht seinen Mörder

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Mysterium

Gedanken zu Mysterium als kooperatives Spiel

Kooperative Spiele finde ich faszinierend, weil bei Brettspielen viele Jahre eher genau ein umgekehrtes Prinzip gegolten hat, das Gegeneinander. Ob sich deshalb einige BrettspielerInnen damit schwertun? Gewohnheitsmäßig?

Der soziale Aspekt des Brettspielens lag für mich im Umgang mit Gewinn und Niederlage und einer Art Übungsfeld dafür, im Spiel auch mal rücksichtslos sein zu dürfen.

Plötzlich sind da Brettspiele – im Familienspielebereich beispielsweise „Die Legenden von Andor“ – in denen die Mitspieler entweder gemeinsam gegen das Spiel oder gegen einen „Intriganten“ spielen müssen. Plötzlich geht es ums Gemeinsame. Planen. Entscheiden. Verantwortung. Rücksichtslosigkeit gegen das Spiel oder einzelnen Mitspieler. Man könnte ja auch für das Verlieren verantwortlich sein.

Interessant. Warum lehnen einige Brettspieler diese Spielweise ab?

Das Besondere an Mysterium ist, dass es einen Phasenwechsel von kooperativ zu gegeneinander gibt und einem einzelnen Spieler eine Sonderrolle zufällt, nicht als intriganter Gegenspieler, sondern helfender Mitspieler.

Hier gibt es noch ein paar Gedanken mehr und ein Regeleinblick von der BRETTSPIELBOX: Gedanken zu Mysterium als kooperatives Spiel

 

 

 

„Gestern gespielt bei“ den Pöppelhoppers – Orléans Invasion – Die Invasion


Spielen bei den Pöppelhoppers

Es war wie immer ein reger Abend bei unserem Gastgeber David Ruddat. Wenn man um 20 Uhr ankommt, erinnert das Szenario an eine Stehparty. Aber statt Sektgläser hat man eher ein Brettspiel in der Hand, schaut in Beutel und geöffnete Schränke, um eine Wahl zu treffen. Wie auf Befehl finden sich plötzlich alle an Tischen wieder: Terra Mystica, Burgen von Burgund, Russian Railroad, Orléans – mit der Erweiterung Invasion.

Terra Mystica

Terra Mystica

Russian Railroad

Russian Railroad

Burgen von Burgund

Burgen von Burgund

Die Spieler eines Spieltischs waren schon in Action als wir den Raum betreten haben. Dabei ging es um die Vorbereitung eines „Specials“ beim Rhein-Ruhr-Con der Pöppelhoppers: Mega Civilization. 

Mega Civilization

Mega Civilization

An diesem Abend ging es mit Mega Civilization nicht nur um Brettspielen, sondern um Boardspielen und Brettgamen.


Gut vernetzt treffen wir uns gern zu einer Partie. Wir – BrettspielerInnen vom Offenen BrettspieleKreis Oberhausen zusammen mit BrettspielerInnen von den Pöppelhoppers und Hiespielchen – haben Orléans mit der kooperativen Variante „Die Invasion“ aus der Erweiterung Orléans Invasion aufgebaut. Die Basisversion von Orléans war allen bekannt.

Cracker von Frank wurden dazugestellt, ein Küchengerät thematisiert. Rezeptaustausch organisiert. Schließlich muß man sich rüsten. Eine neue Verteidigungswaffe? Wie hieß dieses Wunderding noch?


Nun zu den besonderen Aspekten der kooperativen Version. Die drei Besonderheiten sind bei dieser Variante der Austausch des üblichen Zusatzspielplanes (Segensreiche Werke) durch die Stadt als Doppelzusatzplan, die gegen Invasoren verteidigt werden muß und zusätzliche thematische und zielorientierte Abwandlungen diverser Elemente in Form von Festungsbau durch die Händler auf der Landkarte, Stundenglasereignissen, die zum sofortigen Verlieren führen können und BürgerInnenplättchensammeln in Abhängigkeit vom Erreichen von Zwischenzielen. Der dritte neue Aspekt ist die Einführung von Rollen mit persönlichen Zielen.

Startaufbau "Orléans - Die Invasion" Im oberen Bereich erkennt man den neuen Doppelstadtplan, der die Segensreiche Werke ersetzt. Unten rechts sieht man das erweiterte Spielertableau für Transport und Transferieren.

Startaufbau „Orléans – Die Invasion“
Im oberen Bereich erkennt man den neuen Doppelstadtplan, der die Segensreiche Werke ersetzt.
Unten rechts sieht man das erweiterte Spielertableau für Transport und Transferieren.

 

Alle gemeinsamen und persönlichen Zielaufgaben müssen nach spielerzahlabhängigen 16 Runden erreicht sein. Punktesammeln hat nur noch bei einigen Rollen eine Bedeutung. Es geht vor allen Dingen ums Sammeln und Transportieren von Gefolgsleuten und Waren, um die Versorgung der Stadt zu sichern und die Verteidigung sicherzustellen. Eine schöne thematische Einbindung, die auch auf uns Spieler übergegriffen hat.

Um das mechanisch abbilden zu können, gab es schon zu Spielbeginn für jeden Spieler nicht nur die Rollenkarte, sondern zusätzliche Spielertableaus mit Transportaktionen. So konnte man nicht nur die Gefolgsleute wie üblich abordnen, sondern auch die notwendige Nahrung und Finanzmittel in die Stadt transferieren und mit Mitspielern tauschen.

"Orléans - Die Invasion" Erweitertes Spielertableau

„Orléans – Die Invasion“
Erweitertes Spielertableau

 

Anfangs, da ja vertraut mit dem Spiel, fühlten wir uns, so glaube ich, nicht fähig die Stadt zu verteidigen. Die Blicke schienen mir skeptisch. Aber das ist genau der Reiz. Ausdauer Zuversicht entwickeln.

Vermutlich werden sich einzelne Brettspielertypen auch abgeschreckt fühlen. Brettspielertypen, die den Reiz nicht aus der spielerischen Fantasie und Planungssorgfalt ableiten können, sondern direkte Action brauchen, werden dies Spiel in der kooperativen Variante langweilig finden. Ähnlich wie bei Robinson Crusoe.


Ich persönlich kann beides zulassen und genießen. Es ist bei mir eher eine Altersfrage geworden. Mit fast 60 ist Reaktion nicht die erste Qualität, die ich mitbringe. Manchmal bin ich selbst erschreckt darüber, wie das Altern aus einem Transrapid eine Bimmelbahn macht. Aber umgekehrt, habe ich durchaus festgestellt, dass auch das Schnelle möglich ist, wenn die jüngeren Mitspieler bereit sind, eine längere Einarbeitung mitzutragen. MEIN PLUS ODER DAS ALTERSPLUS SIND ERFAHRUNG UND AUSDAUER.

Aus dieser Perspektive hat das Brettspiel eine sehr soziale und integrative Komponente: Rücksichtnehmen, aber auch Gelassenheit üben.


Ich war übrigens der Fischer mit der persönlichen Aufgabe, mein Schiff zum Ziel zu bringen, sprich auf der bekannten blauen Leiste das Ende zu erreichen, für die Gemeinschaft ein BürgerInnenplättchen zu ergattern, 4 gelbe Mönche zu rekrutieren, die  ihrer Hilfsbereitschaft mit ihrer Jokerfunktion zum Ausdruck bringen. Außerdem brauchte ich zum Weben neuer Fischernetze entsprechendes Material.

Startaufbau "Orléans - Die Invasion" Meine Rollenkarte mit persönlichen Spielziele.

Startaufbau „Orléans – Die Invasion“
Meine Rollenkarte mit persönlichen Spielziele.

 

"Orléans - Die Invasion" Ich habe das Ende der Schifferleiste erreicht.

„Orléans – Die Invasion“
Ich habe das Ende der Schifferleiste erreicht.

 

Das kooperative Element kommt in der Planungsphase zum Tragen, aber durch die neuer Austauschaktion will die Reihenfolge der Ausführung auch im Zusammenspiel mit  den anderen Stadtverteidigern geplant sein. Der Spielablauf des Basisspiels gilt dabei. Es gibt aber keine Volkszählung.

Diese kooperative Variante, wie sie sich ja bei Workerplacementspielen geradezu anbietet, ist keineswegs langweilig oder nur eine Sammelei. Es ist ein ausgeklügeltes Netzwerk aus persönlichen und gemeinschaftlichen Zielen. Wer besorgt sich welche Gefolgsleute, ohne das Gesamtziel zu verhindern? Wem überläßt man etwas, damit das persönliche Ziel erreichbar bleibt. Wann transferiert man Waren, Gefolgsleute, Technik in die Stadt oder doch lieber zum Mitspieler, weil schon durch das Stundenglasereignissen die Niederlage droht? Welche zusätzlichen Orte passen zu welchen Rollen? Welche Alternativen sind vorhanden, wenn ein Ereignis einen Plan zunichte macht?

Als Workerplacementspiel mit der Betonung auf strategischer Planung erhält sich diese Eigenschaft auch bei einer Kooperativvariante. Wer mehr Echtzeit einbringen möchte, sollte einfach mit Zeitdruck arbeiten. 

Aus meiner persönlichen Sicht sind alle Erwartungen erfüllt worden. Annette, Marion, Frank, Volker und Petra haben die Stadt erfolgreich verteidigt.

Es ist vollbracht. "Orléans - Die Invasion" Wir haben die Inversation vereitelt und unsere Stadt gesichert.

Es ist vollbracht. „Orléans – Die Invasion“
Wir haben die Inversion vereitelt und unsere Stadt gesichert.

 

Wann gibt es die nächste Partie?

Auf der Rückfahrt nach Oberhausen wurde schon über Ora et Labora philosophiert, das wir am Dienstag bei den Pottstrategen angespielt hatten. Dienstags spielen die Pottrategen ab 18.30 Uhr in Gladbeck.

Ora et Labora

Ora et Labora

 

Herzliche Grüße von Frau Oberhausen. Dies ist eine andere Geschichte.